Ausgaben 2013

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TextArt 01/2013

Leseprobe:

Vom leisen Knistern bis zur deutlichen Sprache

Wie Sie facettenreiche erotische Texte schreiben

Von: Jacqueline Greven

Es gibt Tabus und heikle Themen im Leben wie im Schreiben. Allein rettend – und auch reizvoll – ist hier taktisches Feingefühl und der treffende Ton bei der Annäherung. Und das gilt nicht zuletzt, wenn es wirklich erotisch und keinesfalls pornografisch werden soll. Jacqueline Greven zeigt Ihnen, wie Sie sich mit wohligem Prickeln an den Akt herantasten und eine richtig sexy Szene daraus machen.

Erste Gedanken

Das Genre Erotik – geheimnisvoll, besonders schwierig oder ganz leicht? Für manche Schriftsteller ist es das Thema. Ein Thema übrigens auch, das sich, entsprechend umgesetzt, gut verkaufen lässt. ‚Gut verkaufen’ klingt für uns Autoren sehr vielversprechend. Schnell verdientes Geld also?
Schreibt sich Erotisches zügig und problemlos, weil eine schlichte Story nur an entsprechenden Stellen mit sexueller Handlung aufgepeppt werden muss? Oder ist Schreiben in dieser Kategorie besonders schwierig, weil es zwischen den Zeilen knistern soll, weil Lust und Verlangen auf dem Papier entstehen müssen?
Wie macht man es überhaupt, es zwischen den Zeilen knistern zu lassen? Gehen wir doch einmal näher auf diese Fragen ein.

Vielleicht möchten Sie es auch versuchen und eine erotische Geschichte schreiben. Egal ob es Sie mehr zu einer Kurzgeschichte oder zu einem Roman hinzieht, lassen wir die Textlänge zunächst außen vor. Stellen wir uns vor, Sie haben den einen oder anderen erotischen Text gelesen und waren begeistert. Vielleicht waren Sie auch nicht begeistert von dem, was Sie gelesen haben, und möchten es besser machen. Es kann doch nicht so schwer sein, oder? In der Erotik braucht man keine falschen Fährten legen wie beim Krimi, keine Hetzjagd veranstalten wie beim Thriller, keine fantastischen Welten bauen wie in Fantasy-Geschichten. Stattdessen bringt nahezu jeder von uns ein paar Erfahrungswerte mit, und die kann man verwenden und/oder ausschmücken.
Fangen wir mit einer leeren Seite an. Voller Enthusiasmus sitzen Sie an Ihrem Arbeitsplatz, sehen Ihre Protagonisten vor sich, die vielleicht schon eifrig in Aktion sind, haben eine Hintergrund-Story im Kopf, beginnen mit dem Text, kommen möglicherweise sogar wunderbar vorwärts, und plötzlich klemmt es. Da ist sie, die erste erotische Szene, und sie will einfach nicht erotisch werden. Durchaus steht auf dem Papier, was gesagt werden soll, und trotzdem – statt ansprechend und lustvoll klingt der Wortlaut nüchtern und sachlich oder sehr direkt. Warum das? Und vor allem, was jetzt?
Ganz gleich, ob Sie eine Kurzgeschichte oder einen Roman schreiben wollen, stellen wir uns zunächst eine Frage, bevor wir mit dem Schreiben beginnen: Was ist eigentlich Erotik? Ist es die deutliche Beschreibung des körperlichen Aktes? Die unmissverständliche Wortwahl? Oder sind es dezente Andeutungen, die die Fantasie des Lesers in Gang setzen und ihm seinen persönlichen Spielraum lassen? Oder gar eine sorgfältig gewählte Mischung aus beidem? Stellen wir zwei kurze Szenen gegenüber, um uns die Möglichkeiten zu veranschaulichen.

Variante 1:
Roland küsste Sabine und knöpfte ihr die Bluse auf. Sie trug keinen BH darunter. Er umfasste mit einer Hand ihre Brust, zog mit der anderen ihren Rock hoch und schob mit dem Knie ihre Beine auseinander. Sie war absolut bereit für ihn und er kam zu ihr.

Variante 2:
Sanft berührten seine Lippen die ihren. Ihr Mund schmeckte nach Erdbeersekt, leicht und süß und fruchtig, und er wollte mehr davon und noch mehr. Seine Zunge spielte mit ihrer, Roland spürte Sabines Wärme durch den dünnen Stoff ihrer Bluse, ihre vollen Brüste und wie sie sich verlangend an ihn schmiegte. Er sehnte sich danach, ihre nackte samtweiche Haut zu berühren, ihren Duft zu atmen und endlich ganz zu ihr zu kommen.

Wahrscheinlich ist es überflüssig zu fragen, welche Zeilen Ihre Sinne mehr ansprechen? Vermutlich wird es die zweite Variante sein und damit sind wir schon ganz nahe am Thema.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in TextArt-Ausgabe 1-2013.

 

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