Ausgaben 2013

Hier finden Sie frühere TextArt-Ausgaben.

TextArt 03/2013

Leseprobe:

Orte im Roman

Der Schauplatz als handelndes Element

Von: Anni Bürkl

Ob etwas in der Küche geschieht, im Garten, auf dem Sportplatz, dem Friedhof oder in den Bergen, ist im literarischen Text nicht ohne Belang. Denn wenn es hier einen Ort gibt, sollte dieser gewiss kein beliebiger sein. Bei der Schilderung von Schauplätzen tun sich bisweilen auch erfahrene Autoren schwer damit, zu entscheiden: Wie viel Atmosphäre verträgt ein Text? Wie konkret soll man den Ort der Handlung beschreiben? Die Lösung: Der Ort ist mit ein Element der Handlung, als wäre er eine weitere Figur. Unsere Autorin Anni Bürkl zeigt, wie Sie dem Raum im Roman die angemessene Rolle zuweisen.

Rot und glänzend ging die Sonne hinter dem Horizont unter. Die Wellen plätscherten leise und irgendwo zwitscherte ein Vogel …
Kennen Sie solche Ortsbeschreibungen? Wahrscheinlich schon. Sie bringen uns nicht gerade dazu, weiterzulesen. Veranlassen uns womöglich gar zum Überblättern der Schilderungen. Oder wir werfen das Buch in die Ecke. Am schlimmsten ist so etwas, wenn die Darstellung als Einstieg in einen Roman dienen soll – uns aber stattdessen vom Lesen abhält. Gründe für solche Unlust zu lesen gibt es viele: Die Beschreibungen sind zu lang, wirken austauschbar, man hat sie so oder ähnlich gefühlte tausend Mal gelesen. Oder man liest nur, wie der Ort aussieht, aber nichts über den Bezug zu Handlung und den Figuren. Aber das muss nicht so sein.

So zieht uns der Ort ins Geschehen!

Vorab: Nichts gegen strahlende Sonnenuntergänge oder zwitschernde Vögel. Auch Meeresrauschen kann okay sein, wohlgemerkt: kann. Und zwar solange die Beschreibung kurz und spannend bleibt – und Stimmung erzeugt. Richtig, Stimmung: Die ist schließlich eine wesentliche Zutat für gelungene Romane. Und dazu wiederum brauchen Sie Ihre Figuren.

Aufgabe: Untersuchen Sie verschiedene Romane auf die darin beschriebenen Orte. Achten Sie darauf, wie die Ortsbeschreibungen in die Geschichte einfließen. Welche Schilderungen finden Sie spannend und interessant? Welche nicht? Welche veranlassen Sie zum Weiterblättern? Machen Sie sich kurz Notizen, was Ihnen gefällt und warum, halten Sie für sich fest, wie der Autor oder die Autorin die Beschreibung eingebaut hat.

Ganz bestimmte Figuren an einem ganz bestimmten Ort
Sie brauchen Figuren, die sich an einem Handlungsschauplatz Ihres Romans befinden und dort bewegen. Erst durch deren Wahrnehmungen können Ihre Leserinnen und Leser den Schauplatz und die Ereignisse dort miterleben. Warum hält sich Ihr Held oder Ihre Heldin ausgerechnet an diesem Ort auf? Tut er oder sie das freiwillig? Wurde er oder sie gekidnappt?
Der Ort einer Handlung ist niemals Zufall, Sie sollten ihn planen, wie Sie alle anderen Details Ihrer Geschichte planen. Ein Schauplatz gehört zu Ihrer Geschichte, wie Ihre Figuren. Er ist eine wesentliche Zutat. Alle Details des Schauplatzes sollten eine Rolle spielen – welche, entscheiden Sie.
Eine Schießerei findet eher selten auf einem Friedhof statt, aber wenn so etwas passiert, muss das fundierte Gründe haben. Wieso schießt der Amokläufer in Ihrem Roman auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Beerdigung?

Den vollständigen Artikel können Sie in der neuen Ausgabe 3-2013 von TextArt lesen.

 

Mehr in dieser Kategorie: « TextArt 04/2013 TextArt 02/2013 »
Cron Job starten