Ausgaben 2012

Hier finden Sie frühere TextArt-Ausgaben.

TextArt 01/2012

Leseprobe:

Mehr als Herz und Schmerz

Wie Liebesgeschichten gelingen

Von: Bettina Hampl

Sie finden sich, sie können nicht zueinander kommen, sie kriegen sich: Viele glauben ja, es sei sehr leicht, Liebesgeschichten zu schreiben. Aber je erfolgreicher ein Genre ist, desto schwieriger wird es, einen eigenen originellen Beitrag zu leisten. Unsere Autorin Bettina Hampl zeigt Ihnen, wie es Ihnen gelingt.

Was ist eigentlich eine Liebesgeschichte? Das „Sachwörterbuch der Literatur“ von Gero von Wilpert sagt dazu: „Liebesroman I. Unter stofflichem Aspekt jeder Roman, dessen zentrales Thema die Liebe bildet ...“ In der Liebesgeschichte verlieben sich also zwei Menschen. Aber – und dieses aber ist wichtig: Ihrer Verbindung steht irgendein Hindernis entgegen. Im klassischen Drama und manchmal auch in der Soap glauben sie zum Beispiel Bruder und Schwester zu sein und das Inzest-Tabu zu verletzen. Oder ihre Familien liegen im Streit. In zeitgenössischen Erzählungen missverstehen sie sich einfach nur oder werden durch gesellschaftliche Vorurteile – etwa gegen gleichgeschlechtliche oder gemischt rassige Paare – entzweit. Manchmal ist noch ein Dritter – oder sogar ein Vierter, Fünfter – im Spiel, der die Zweisamkeit gehörig durcheinander bringt.

Liebesgeschichten werden als Tragödien bezeichnet, wenn die Liebenden und die sie umgebende Gemeinschaft keine Möglichkeit finden, die Liebe innerhalb der Gemeinschaft wachsen zu lassen. Um eine Komödie handelt es sich, wenn es am Schluss zu einer Hochzeit oder sonstigen Vereinigung kommt, die nicht nur die Liebenden, sondern auch die Gemeinschaft eint.
So weit die Handlung.

Vom Heftroman bis zu hoher Literatur

Das Spektrum für Liebesgeschichten ist breit. Es reicht von guter Unterhaltungsliteratur bis zu dem, was man als literarisch anspruchsvoll bezeichnet. Natürlich ist auch das Triviale vertreten, mehr als die Hälfte aller Heftromane sind Liebesgeschichten. Und so fährt Gero von Wilpert fort: „Liebesroman II. im engeren Sinne die häufigste Gattung der Trivialliteratur für weibliche Leser, die meist aus der Sicht einer klischeehaften Heldin in typisierten Figuren und Geschehnissen, mit einer kitschigen falschen Innerlichkeit und einer preziös gespreizten, dem Banalen poetischen Anstrich verleihenden Sprache die Geschichte einer Liebe bis zum stereotypen, unvermeidlichen und unrealistischen happy end erzählt.“

Wer (trotz Wilpert) trivial sein möchte, der sei auf das Buch „Heftromane schreiben & veröffentlichen“ von Anna Basener verwiesen. (Anm. der Redaktion: Eine Rezension dieses Buches finden Sie in der TextArt-Ausgabe 4/200.)

Figurenorientiert oder handlungsorientiert?

Dieser Artikel setzt der Liebesgeschichte nicht so enge Grenzen, wie Redakteure von Heftromanen das tun müssen. Sie sind gezwungen, jede Woche ein vorgegebenes Schema wieder neu auszufüllen. Aber nicht jede Liebesgeschichte muss als Heftroman gedruckt werden. Machen wir uns also frei von dem Trivialen und seinen engen Grenzen – und folgen für einen Augenblick der Poetik des antiken Philosophen Aristoteles, dessen Prinzipien nach wie vor Gültigkeit haben. Nach seiner Theorie gibt es zwei Arten von Geschichten: Die eine ist figurenorientiert, die andere handlungsorientiert. Die Handlung einer Liebesgeschichte kennen wir schon: Zwei treffen sich, haben Probleme, bekommen sich – oder eben nicht. Das ist der Plot, und bei dem können Sie sich  so viel Mühe geben, wie Sie wollen – oder wie Ronald B. Tobias es ausdrückt: „Sie können sich einen Plot mit allen Tricks und Kniffen ausdenken – solange Ihre Liebenden nicht überzeugend wirken, fallen Sie damit auf die Nase.“ Und: „Eine Liebesgeschichte funktioniert, wenn die Chemie zwischen den Liebenden stimmt.“

Was schließen wir daraus? …

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe TextArt 1 / 2012.

 

Mehr in dieser Kategorie: « TextArt 02/2012