Ausgaben 2011

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TextArt 01/2011

Leseprobe:

Von Narren, Helden, Weisen ...

Archetypen als Schlüssel zu einer erfolgreichen Geschichte

Cornelia Maurer

Geheimnisse des schriftstellerischen Erfolgs gibt es viele: gelungene Spannungsbögen, großartige Sprache, mitreißende Figuren, interessantes nebenbei vermitteltes Detailwissen und vieles mehr. Unsere Autorin Cornelia Maurer kennt einen weiteren Schlüssel, der die Tür zu einer erfolgreichen Story aufschließt. Es sind die immer wiederkehrenden, uralten Muster, die den Leser bannen: sogenannte Archetypen.

Stellen Sie sich Folgendes vor: Sie gehen in die Buchhandlung um sich mal wieder ein Buch zu gönnen. Sie finden auch gleich eines mit einem ansprechenden Titel und der Klappentext schafft es, Sie zu verführen. Er verspricht Spannung, große Liebesabenteuer oder heldenhafte Taten. „Wow“, denken Sie, „tolles Buch!“ Entzückt und voller Vorfreude kaufen Sie das Werk und nehmen es mit nach Hause, direkt auf Ihr Lieblingssofa. Ihre Fantasie ist in der Zwischenzeit so richtig in Schwung gekommen und Sie haben eine ganz bestimmte Vorstellung von der Handlung. Und dann passiert es: Sie merken schon recht bald, dass die Geschichte nicht das hält, was der Text auf der Rückseite Ihnen versprochen hat. Stattdessen Langeweile und Vorhersehbarkeit. Sie kämpfen sich durch Charaktere ohne Antrieb, ohne Persönlichkeit und Weiterentwicklung, denen aber trotzdem, und hier sei dem Schicksal gedankt, alles auf wundersame Weise gelingt. Was tun Sie? Sie legen das Buch mehr oder weniger enttäuscht zur Seite und versprechen sich, das nächste Mal sorgfältiger mit der Auswahl Ihrer Lektüre zu sein.

Doch dann gibt es Bücher, die halten, was sie versprechen. Mehr noch, sie fesseln Sie so sehr, dass Ihr Partner tagelang anstelle Ihres aufmerksam lächelnden Gesichts nur noch einen Buchrücken zu sehen bekommt. Und dann, wenn auch die letzte Zeile endgültig und unwiederbringlich gelesen ist, ertappen Sie sich dabei, wie Sie noch lange über die Protagonisten nachdenken. Wie Sie mit träumerisch verklärtem Blick dasitzen und die besten Szenen noch einmal erleben, ja, sich vielleicht sogar wünschen, etwas von dem Glanz des Helden oder der Heldin in Ihr eigenes Leben einfließen zu lassen. Und diejenigen unter Ihnen, die selber daran interessiert sind, fesselnde Storys zu schreiben, werden sich vielleicht neidvoll fragen: „Wie hat das Dan Brown bloß wieder gemacht, das würde ich auch gerne können“. Und wenn ich Ihnen jetzt sage: „Nur Mut, das schaffen Sie auch“, würden Sie mir das dann glauben? Und in der Tat. Eine fesselnde, kraftvolle Geschichte zu schreiben, ist keine Zauberei. Wenngleich es schon ein wenig des Fingerspitzengefühls bedarf. So liegt das Geheimnis immer in der Weiterentwicklung der Charaktere selbst verborgen.

Eine verdammt gute Story ist eine Story für Leser

Auch wenn ein Autor über eine ausgefeilte Stilistik verfügt und er seine Geschichte mit allerlei Raffinessen versehen hat oder er ein wahrer Meister im Beschreiben von Situationen und Gefühlen ist, nützt ihm das gar nichts, wenn seine Protagonisten nicht auf die bestimmte Art und Weise handeln, die seine Leser ins Schwärmen geraten lässt. Selbst dann, wenn er seinen Leserkreis kennt und weiß, was innerhalb seines Genre von ihm erwartet wird, kann es ihm noch passieren, dass seine Story fade ist. So ähnlich wie bei einer Suppe, der das Salz fehlt. Im Prinzip schmeckt sie ganz gut, doch das entscheidende Quäntchen Würze fehlt noch, damit sie uns in Erinnerung bleibt.
So nehmen wir einmal an, unser Autor ist in der glücklichen Lage, beim Überarbeiten seiner Story zu bemerken, dass diese nicht die Wirkung hat, die er beabsichtigt hatte. Seine Protagonisten agieren ihrer Persönlichkeit entsprechend richtig, doch es reicht nicht, um aus seiner Story eine packende Story zu machen, oder wie James N. Frey sagen würde, „eine verdammt gute Story“. Was würde unser Autor tun müssen, um diesen Missstand zu beheben?

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 1-2011.

 

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