Ausgaben 2011

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TextArt 02/2011

Leseprobe:

Schreiben von Anfang an

Folge 1: Wie komme ich ins Schreiben?

Von: Paulina Schulz

Heute beginnen wir mit einer neuen Serie zum Thema Kreatives Schreiben. In den folgenden Ausgaben der „TextArt“ werden Sie die Gelegenheit bekommen, Ihr Talent auszuprobieren und eine Erzählung zu verfassen. Unserer Schreibcoach Paulina Schulz, Leiterin der „Schreibschule auf Rügen“, Dozentin an der Textmanufaktur in Leipzig sowie an diversen Universitäten, wird Sie Schritt für Schritt durch die Elemente des fiktionalen Schreibens führen.

Schreiben. Neun Buchstaben, die sich schnell tippen, die sich in unzähligen Zusammenhängen wiederholen lassen. Dahinter eine magische Welt.
Wenn Figuren entstehen, Dinge erfahren, sich entwickeln, wird eine fiktive Erzählung Wirklichkeit – und wir erleben eine neue Realität. Dass wir diese selbst erschaffen können, ist Segen und Fluch zugleich. Nach dem Impuls für ihre Texte gefragt, äußern sich Autoren höchst unterschiedlich; doch in vielen Fällen wird eine unerklärliche Unruhe thematisiert, die sich erst legt, wenn die ersten Seiten eines Manuskripts entstanden sind. Viele sind so sehr von dieser Unruhe getrieben, dass sie zu einer Sucht wird, dass man sich diesem Prozess bewusst aussetzt, nur um jene enorme Befriedigung zu spüren, die sich einstellt, wenn der letzte Punkt eines Textes gesetzt wurde.
Was Ihre Motivation ist, das kann ich natürlich nicht wissen, und so muss ich ins Blaue schreiben, in der Hoffnung, Sie eine Weile begleiten zu dürfen. Seit 2003 bin ich als Dozentin für literarisches Schreiben tätig und habe in den Jahren die Erfahrung gemacht, dass sich Schreibende grob in zwei Gruppen aufteilen lassen: diejenigen, die vor Ideen nur so sprühen, und diejenigen, die nur schwer einen Einstieg finden; was keineswegs eine Wertung beinhalten soll.
Bei den Ersteren geht es vor allem darum, aus der Fülle von Ideen die wirklich guten zu destillieren, bei den Letzteren darum, die entscheidende Initialzündung zu geben. Wie komme ich ins Schreiben?, werde ich oft gefragt – wie finde ich einen Anfang, wie wage ich es, einen Text zu beginnen, wie kann ich die losen Enden verknüpfen, wie bekomme ich den Mut, eine neue Welt entstehen zu lassen?
Es gibt eine Reihe von erprobten Tricks, sage ich dann, und wenn ich sehe, wie der Knoten platzt, wie sich die Unsicherheit legt, wie ein Text entsteht, bin ich stolz – wahrscheinlich gänzlich unverdient, bin ich doch nur die Geburtshelferin, die das Textkind aus dem Bauch der Mutter herauszieht, die letztlich die ganze Anstrengung auf sich nehmen muss (ein Bild, das sich männlichen Lesern dieses Artikels nur schwer erschließen wird, die es mir bitte nachsehen wollen!). Dann wasche ich das Kind, wiege und untersuche es und gebe ihm meine Beurteilung auf der Apgar-Skala. Nur das mit dem Abnabeln, das gestaltet sich oft schwer, berichten die Eltern …

Inspiration durch Wort und Bild – und vieles mehr

Nur: Bevor ein Text geboren wird, muss er naturgemäß gezeugt werden. Und wie in der menschlichen Realität, setze ich auch hier auf zwei notwendige Faktoren: Wort und Bild. Dazu eine kurze Erklärung: Ich bin ein extrem visueller Mensch, eine Autorin, die von sich behauptet, vielmehr Filme als Texte zu schreiben. Beim Schreiben sehe ich sofort Szenen und ganze Sequenzen vor mir, erlebe die Figuren, ihre Sprache und Bewegung, nehme alle Details wahr, höre den Soundtrack. Daher sehe ich es als eine großartige Möglichkeit, beim Schreiben Bilder zur Hilfe zu nehmen: Fotografien, Gemälde, Filme. Wenn mich nun jemand fragt: „Wie finde ich eine Idee zum Text?“, antworte ich: „Öffnen Sie Ihre Augen!“ Gehen Sie mit offenen Augen durch die Welt, nehmen Sie Kleinigkeiten wahr, beobachten Sie Menschen auf der Straße, in Läden, Cafés, Straßenbahn, in der Arztpraxis und im Zug. Schreiben Sie vom Leben ab! Es liefert uns alle Impulse, die wir benötigen.
Eines Tages, es war während meines Literatur-Studiums in Leipzig, saß ich in der Straßenbahn nach Hause. Die Tram fuhr gerade am Stadion vorbei, als mir der Name „Kitty Ogilvy“ in den Kopf schoss. Woher er kam, kann ich bis heute nicht nachvollziehen. Doch ich schrieb ihn sofort auf und vergaß ihn irgendwann. Jahre später ist aus diesem Namen eine Reihe von Erzählungen über die Kunstfigur Kitty Ogilvy entstanden, die meine Leser mitunter für meine besten Geschichten halten.
Notieren Sie alles, was Ihnen aufgefallen ist; kaufen Sie sich ein Notizbuch, das nur für die literarischen Ideen da ist, Ihr kleines geheimes Buch.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in Ausgabe 2-2011 von TextArt

 

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