Ausgaben 2010

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TextArt 01/2010

Leseprobe:

Wie schreibe ich ein Gedicht?

Anregungen für angehende Lyriker

Nando Bluschke

Bei dem einen oder anderen Gedicht könnte man vermuten, der Autor hätte Zugang zu einem magischen Zauberstab, der jede lyrische Zeile mit Licht erfüllt. Doch steckt hinter dem Geheimnis eines schönen Gedichts kein fauler Zauber, oft nicht mal eine besonders zauberhafte Begabung des Autors, sondern viel Ausdauer und ein bewusster Zugang zu seinen Gedanken und Gefühlen. Durch Berücksichtigung dieser zwei Faktoren lässt sich der Schlüssel zur Verwirklichung wunderbarer Gedichte finden und die Motivation, zum Stift zu greifen, wann immer Ihnen danach ist.

Das Niederschreiben von Gedanken hat seit Jahrhunderten Tradition. Von Goethe bis Rilke, von Shakespeare bis Brecht – sie alle waren große Dichter und damit Denker. Sie beherrschten das Kunststück, uns ihre niedergeschriebenen Gedanken auf nachfühlsame Weise näherzubringen. Jeder Dichter schreibt dabei auf seine Art. Das macht sie einzigartig und unsterblich.
So erinnern sich viele von Ihnen sicherlich noch an Goethes „Wandrers Nachtlied": „Über allen Gipfeln/ Ist Ruh/ In allen Wipfeln/ Spürst du/ Kaum einen Hauch/ Die Vöglein schweigen im Walde/ Warte nur, balde/ Ruhest du auch." Goethe ist seit mehr als hundertfünfzig Jahren tot. Sein Werk ist dennoch präsent geblieben. Würde Goethe heute noch leben, wäre er darüber sicherlich sehr erfreut.
Viele Dichter scheinen das Ziel zu verfolgen, etwas der Nachwelt zu hinterlassen oder streben den Versuch an, lästige Gedanken loszuwerde, damit es Ihnen eines Tages besser geht. Wieder andere scheinen kein benennbares Ziel zu verfolgen. Sie schreiben, weil sie schreiben. Es macht Ihnen Freude!
Auch Sie werden irgendeinen Grund haben, weshalb Sie gerne Gedichte schreiben. Es ist gar nicht wichtig, warum Sie ausgerechnet die Lyrik bevorzugen. Solange das Schreiben Ihnen Spaß bereitet und Ihr Leben bereichert, haben Sie einen Grund, weiterzumachen.

Das Interesse

Keine Sorge, Sie müssen kein Shakespeare sein - kein großer Denker, um Zeilen zu schreiben, die Ihnen gefallen werden. Seien Sie geduldig mit sich.
Es ist ein großer Vorteil, einige Gedichte verschiedener Autoren einmal gelesen zu haben, um sich mit deren Art zu schreiben vertraut zu machen. Schnell werden Sie bemerken, dass jeder Dichter sich unverkennbar in seiner Art des Umgangs mit Gedanken unterscheidet.
Versuchen Sie einen Bezug zu einzelnen Dichtern aufzubauen und stellen Sie sich Fragen. Zum Beispiel, „Wie könnte er/ sie sich bei diesen Zeilen gefühlt haben?", „War er/sie traurig oder glücklich beim Schreiben dieser Zeilen?"
Vielleicht entdecken Sie einen Lieblingsdichter für sich, den Sie genauer studieren wollen. Schauen Sie sich um. Es gibt viele hervorragende Lyriker, deren Zeilen es wert sind, genauer von Ihnen unter die Lupe genommen zu werden.
Wenn Sie den Stil eines Dichters kennen, scheuen Sie sich nicht davor, seine Art des Schreibens, beispielsweise den Zeilenaufbau, Reim oder die Themen des Dichters nachzuahmen. So werden Sie nach einiger Zeit erfahren, was Ihnen beim Gedichteschreiben liegt und was weniger.
Probieren Sie sich aus. Jeder Dichter schreibt anders. Mit der Zeit werden Sie Ihren eigenen Schreibstil entdecken.

Anweisungen:

1. Lesen Sie viel.
2. Lernen Sie von den „großen" Dichtern.
3. Finden Sie heraus was Ihnen an einem Gedicht gefällt und was nicht (Themen, Reim, der Aufbau ...).

Die zwei Welten

Beim Schreiben von Gedichten bewegen Sie sich in der Gedankenwelt (der Welt, in der Ihre Gedanken vorherrschen) und in der Gefühlswelt (der Welt, in der Ihre Gefühle existieren). Beide Welten liegen sehr dicht beieinander. Für das Schreiben von Gedichten müssen Sie das Kunststück beherrschen, beide Welten zu einer verschmelzen zu lassen, ohne dass Ihnen eine dieser Welten lästig wird.
Umso bewusster Sie ihre Gedanken wahrnehmen und umso genauer Sie Ihre Gefühle schildern können, umso fesselnder werden Ihre Gedichte sein.
Leider sind wir oft gezwungen, uns beispielsweise in der Arbeitswelt emotional zurückzuhalten. Daraus folgt oft eine überdimensionale Gefühlswelt, die wir durch Gedankenkraft versuchen im Bann zu halten. Sie können beim Schreiben Ihre unterdrückten Gedanken frei äußern und versuchen Ihre Gefühlswelt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Tipp:

1. Versuchen Sie eine Balance herzustellen, zwischen den Gefühlen und Gedanken.

Die Gedankenwelt

Beim Gedicht geht es um Gedanken. Und wir alle können denken!
Es geht nicht darum, ständig auf der Suche nach einer roten Leuchte zu sein, die Alarm schlägt, sobald Sie glauben die perfekten Gedanken für ein Gedicht erfasst zu haben. Sie werden ständig Gedanken haben, die Ihnen wichtig erscheinen. Begeben Sie sich nicht auf Gedankensuche. Sie kommen ganz von allein. Es geht um die Gedanken, die Sie am ehesten berühren.
Wenn Sie glauben, nur Unwichtiges zu denken, oder Ihre Gedanken ständig wechseln, kann Ihnen Entspannung helfen. Nach sportlichen Aktivitäten zum Beispiel entsteht meist eine Entspannungsphase, die Ihnen behilflich sein könnte, Ihre Gedanken auf den Punkt zu bringen.
Manchmal sind die Gedanken für ein Gedicht auch leicht auszumachen. Nicht umsonst hat das Liebesgedicht unter Verliebten einen so hohen Stellenwert. Es untermauert intensive Gefühle, das, was wir für den oder die Geliebte empfinden, und lässt tief in unsere Gedankenwelt blicken, in die wir uns begeben, wenn wir an die geliebte Person denken.
Poesie liegt in der Luft. Denken Sie nach.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 1/2010.

 

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