Ausgaben 2010

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TextArt 04/2010

Leseprobe:

Das Wunderding für die Plotentwicklung

Die Prämisse

Oliver Buslau

In vielen Autorengesprächen und Lehrbüchern ist die Rede davon, aber so mancher weiß nicht, was er sich darunter vorzustellen hat: die Prämisse, die angeblich zu jeder Geschichte gehört. Hin und wieder hört man auch die Meinung, eine Geschichte ohne Prämisse tauge nichts und könne gar nicht gut konstruiert sein. Die Folge: Viele angehende Autorinnen und Autoren werden unsicher. Hat mein Roman, meine Kurzgeschichte, meine Novelle eine Prämisse oder nicht?, fragen sie sich. Und wenn ja: Ist sie gut genug, um einen professionellen Leser – etwa einen Agenten oder einen Lektor – zu überzeugen? In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie mit der Prämisse arbeiten.

Zunächst eine beruhigende Nachricht: Wenn Sie eine Kurzgeschichte oder einen Roman geschrieben haben, und Sie empfinden die Handlung als rund, dann enthält Ihr Werk sicher das, was Schreiblehrer als „Prämisse“ bezeichnen. Sollten Sie also in der glücklichen Lage sein, einen erzählerischen Text fertig geschrieben zu haben, dann nutzen Sie diesen Artikel, um die Prämisse darin aufzuspüren. Ich verspreche Ihnen: Wenn Ihnen das gelingt, werden Sie nicht nur verstehen, warum Ihnen Ihre Geschichte so gelungen erscheint – Sie werden weitere Möglichkeiten finden, um sie zu verbessern.

Eine Prämisse – was ist das überhaupt?

Es sind vor allem zwei Lehrbücher, die das Konzept der Prämisse in die Schreibtheorie gebracht haben: Zum einen das Buch „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ von James N. Frey (erschienen im Emons Verlag) und „Dramatisches Schreiben“ von Lajos Egri (Autorenhaus Verlag) – ein Schreiblehrer, auf dessen Konzept Frey aufbaut. Beide stützen sich wiederum auf ältere Dramaturgiekonzepte, die letztlich bis in die Antike zurückreichen, und die wir hier nicht weiterverfolgen müssen.
Wichtig für Sie ist die Definition: Die Prämisse ist das inhaltliche Prinzip, das in der Geschichte steckt, das sie zusammenhält wie ein Skelett. Mir gefällt der Vergleich von Frey sehr gut: „Denken Sie sich eine Prämisse als die Armierung in Stahlbeton.“ Das bedeutet: Die Geschichte ist der Beton, die Form des Betons, aber das, was den Baustoff daran hindert, abzubröckeln oder zusammenzubrechen, ist die Prämisse.
Habe ich mich zu theoretisch ausgedrückt? Kein Problem – hier kommt die Praxis:
Sie kennen das Prinzip „Die Moral von der Geschicht ...“ Da wird etwas erzählt, in dem ein lehrhafter Kern steckt. Berühmt ist dieses Prinzip in Fabeln, Gleichnissen oder Kalendergeschichten. Am Ende kann man die Botschaft der Geschichte, die „Message“, in einem Sprichwort zusammenfassen, dessen Gültigkeit mithilfe der Story bewiesen wurde.

Die Prämisse ist die Geschichte im Kleinen

„Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht – und wenn er doch die Wahrheit spricht.“ Versuchen Sie mal, daraus eine Geschichte zu machen.
Mir fällt da gleich etwas ein: Ein Dieb hat seine Gefängnisstrafe abgesessen, wird entlassen und sucht sich einen Job. Er findet eine Anstellung in einem Lager, wo prompt nach seiner Einstellung eine Diebstahlserie beginnt. Alles scheint gegen unseren unschuldigen Helden zu sprechen. Niemand glaubt ihm. Schließlich versucht er, durch eigene Ermittlungen den Täter zu finden – und macht eine unglaubliche Entdeckung ...
Welche? Keine Ahnung. Das sagt uns die Prämisse leider nicht, und deswegen kenne ich sie nicht. So schön die Arbeit mit dem Sprichwort begonnen hat, so schnell sitzen wir auf dem Trockenen. Woran liegt das? Es liegt daran, dass ein simples Sprichwort für eine gute Prämisse nicht taugt.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 4-2010 …

 

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