Ausgaben 2008

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TextArt 02/2008

Leseprobe:

Ohne Kontrolle der Vernunft

So funktioniert Automatisches Schreiben

Axel Klingenberg

Wer kennt das nicht? Man sitzt vor dem Schreibblock oder dem Monitor und will losschreiben – und es fällt einem nichts ein! Die Gründe hierfür können vielfältig sein, oft ist es jedoch so, dass man viel zu hohe Erwartungen an sich hat. Man möchte nun endlich auch große Literatur schaffen, so wie der Lieblingsschriftsteller, der aktuelle Bestsellerautor oder der diesjährige Literaturnobelpreisträger. Dass man unter diesen Voraussetzungen nichts zustande bringt, von dem man nicht selbst enttäuscht ist, dürfte klar sein. Was ist in so einem Fall zu tun?

Ganz einfach: Wenn die Erwartungen zu hoch sind, müssen sie ganz einfach heruntergeschraubt werden. Oder in den Worten des Künstlers und Schriftstellers André Breton: „Sehen Sie ganz ab von Ihrer Genialität, von Ihren Talenten und denen aller anderen." Breton war es auch, der das spontane oder – wie er es nannte – „Automatische Schreiben" („écriture automatique") systematisierte. Er bezeichnete es als ein „Denkdiktat ohne jede Kontrolle der Vernunft". Hier eine von ihm im „Ersten Surrealistischen Manifest" (1924) zur Nachahmung empfohlene Anweisung:

„Versetzen Sie sich in den passivsten oder den rezeptivsten Zustand, dessen sie fähig sind. (...) Schreiben Sie schnell, ohne vorgefasstes Thema, schnell genug um nichts zu behalten, oder um nicht versucht zu sein, zu überlegen. Der erste Satz wird ganz von allein kommen, denn es stimmt wirklich, dass in jedem Augenblick in unserem Bewusstsein ein unbekannter Satz existiert, der nur darauf wartet, ausgesprochen zu werden. (...) Fahren Sie so lange fort, wie Sie Lust haben. Verlassen Sie sich auf die Unerschöpflichkeit des Raunens. Wenn ein Verstummen sich einzustellen droht, weil Sie auch nur den kleinsten Fehler gemacht haben: einen Fehler, könnte man sagen, der darin besteht, dass sie es an Unaufmerksamkeit haben fehlen lassen – brechen Sie ohne Zögern bei einer zu einleuchtenden Zeile ab. Setzen Sie hinter das Wort, das Ihnen suspekt erscheint, irgendeinen Buchstaben, den Buchstaben I zum Beispiel, immer den Buchstaben I, und stellen Sie die Willkür dadurch wieder her, dass Sie diesen Buchstaben zum Anfangsbuchstaben des folgenden Wortes bestimmen."

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 2/2008.

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