Ausgaben 2007

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TextArt 03/2007

Leseprobe:

Wer ist dieser Mensch?

Die Kunst des Porträts

Michaela Paus

Die meisten journalistischen Beiträge handeln von Menschen oder zumindest von Sachverhalten, an denen Menschen beteiligt sind. Aber kein Genre lenkt den Blick so stark auf den Einzelnen wie das Porträt. Dieses macht den Leser mit der Lebensgeschichte und den Charakterzügen eines Menschen bekannt. Porträts gibt es in Illustrierten und Nachrichtenmagazinen, in Lokalzeitungen und Fachblättern. Sogar in der Literatur kommen entsprechende Passagen vor. Auch hinter dieser Gattung stecken handwerkliche Techniken. Michaela Paus stellt sie Ihnen vor.

Sie haben sicher schon einmal im Museum vor Bildnissen alter Meister gestanden. Mit Farbe und Pinsel haben die Maler Personen der Zeitgeschichte verewigt: Herrscher und ihre Gemahlinnen, wohlhabende Kaufleute und Kirchenfürsten, Wissenschaftler und Literaten blicken den Betrachter an. Dabei verrät ihr gemaltes Ebenbild nicht nur, wie sie ausgesehen haben, wie sie gekleidet waren. Gestik, Mimik und Haltung, aber auch Requisiten wie Bücher und Schmuck erzählen zugleich von ihrem Beruf, ihrem sozialen Status, ihrer Bildung. Manchmal lässt die Bildsprache sogar auf die Weltanschauung des Dargestellten schließen. So zeigt sich nicht nur, wie der Maler diesen Menschen gesehen hat, sondern meist auch, wie dieser sich selbst gesehen hat beziehungsweise wie er von anderen gesehen werden wollte.

Ein Bildnis in Worten

Porträt ist das französische Wort für Bildnis. Und so kann ein Seitenblick auf die Malerei durchaus aufschlussreich sein, wenn man sich mit diesem Thema befasst. Sie macht im buchstäblichen Sinne anschaulich, was das wichtigste Ziel von jedem Porträt ist – sei es gemalt oder geschrieben: Immer stellt es den Menschen, das Individuum in den Mittelpunkt und versucht die Frage zu beantworten, wer die Person ist, was sich hinter ihrem Äußeren verbirgt, wie sie lebt und für andere erlebbar ist. Allerdings hat es der Schreiber in gewisser Weise einfacher als der Maler: Während dieser Attribute oder Symbole braucht, um einen Menschen zu charakterisieren und (Lebens-) Geschichten zu erzählen, kann der Autor durch ganz unterschiedliche Mittel ein „Bild" von ihm erzeugen. Er kann ihn direkt charakterisieren und beschreiben, er kann Anekdoten aus der Biografie des Porträtierten erzählen und berichten, wie er sich in der persönlichen Begegnung verhält. Der Schreiber kann eine Vita nachzeichnen, den Menschen selbst und sogar Personen aus seinem Umfeld zu Wort kommen lassen. All das hilft ihm dabei, wie ein Gemälde die Frage zu beantworten: Wer ist dieser Mensch?
Wolf Schneider und Paul-Josef Raue schreiben in ihrem „Handbuch des Journalismus": „Das Porträt handelt vom Wichtigsten, das Journalisten ihren Lesern erzählen können: von Menschen [... ] und der Redakteur ist klug, wenn er so oft wie möglich statt der Routine ein lebendiges Porträt ins Blatt rückt." Personen-Geschichten werden in Zeitungen und Zeitschriften gerne gelesen – sei es, dass sie den prominenten Schauspieler von seiner privaten Seite zeigen, einem Politiker auf den Zahn fühlen, die Karriere eines Managers beleuchten oder auch das Engagement eines Freiwilligen-Feuerwehr-Chefs würdigen.
Die Beispiele deuten schon die Bandbreite an, die sich hinter dem Begriff Porträt verbirgt. Denn die Menschen-Geschichten in Illustrierten, Nachrichtenmagazinen, Lokalzeitungen oder Fachzeitschriften richten sich nicht nur an eine völlig unterschiedliche Leserschaft, sie setzen auch verschiedene Schwerpunkte. Von Umfang, Detailgenauigkeit und Stil ganz zu schweigen. Während das Hochglanzmagazin kaum den beruflichen Werdegang des bekannten Schauspielers vorstellen wird und sich lieber auf Privates konzentriert, interessiert die Leser der Fachzeitschrift gerade die Karriere des porträtierten Managers. Und während der Artikel über den Politiker kritisch hinterfragt, stellt der Bericht über den Ehrenamtler dessen Leistungen in den Vordergrund.

Porträt und Literatur

Porträts gibt es nicht nur in journalistischen Medien, sondern auch in der Literatur. Biografien beispielsweise sind besonders umfangreiche Porträts; und auch in fiktionalen Texten, in Romanen oder Erzählungen, finden sich geschriebene „Bildnisse". Sie haben die Funktion, den Protagonisten oder eine andere zentrale Figur in die Handlung einzuführen. Ein Beispiel dafür gibt Dan Brown in seinem Bestseller „Illuminati". Gleich im ersten Kapitel verwendet er etwa eine Seite darauf, den Leser mit seiner Hauptfigur bekannt zu machen ...

 Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 3/2007.

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