Ausgaben 2007

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TextArt 04/2007

Leseprobe:

Vom Einatmen und Ausatmen

Inspiration und Mobilität

Markus Berger

Abgesehen von Talent und Handwerk ist einer der wichtigsten Faktoren der Schriftstellerei zweifellos die Eingebung, die Idee, der Background und der einen Text – gleich welcher Art auch immer – begleitende Atem, der Geist hinter einer Dichtung in Prosa, Lyrik oder dramatischer Form. Damit ein Werk nicht in sich selbst verharrt, im wahrsten Sinne des Wortes zum Stillstand kommt, und damit dem Leser vermutlich nichts als Langeweile artikuliert, ist es von Bedeutung, eine gewisse Agilität, Mobilität, Bewegung – je nach gewünschter Effektivität in relativer Unschärfe oder Schärfe – in die Sprachkomposition zu implementieren. Und wie ginge das besser als eben sich bewegend, den eigenen Körper vom statischen Platz des Schreibtisches wegzubewegen? 

Ich denke, dass ein Großteil der inspirativen Kraft eines Künstlers und damit natürlich auch des Sprachkunstschaffenden sich in dessen eigener Beweglichkeit manifestiert. Wer sich eingehend mit den Biografien diverser Schriftsteller befasst, wird bemerken, dass diese Technik nicht erst seit gestern eine feste Größe innerhalb des nicht alltäglichen Alltages eines Schreibers darstellt. So wie ein Text nicht auf der Stelle treten sollte, so muss auch der Dichter, genauso der Journalist, der Sachbuchautor, der Essayist mobil sein. Entweder im Kopf oder tatsächlich physikalisch. Und das hilft in vielen Fällen der Kreativität enorm auf die Sprünge. Die Eindrücke, welche man außer Haus erfährt, sind oftmals von einer solch reichhaltigen ideengebenden Kraft, dass viele Textkünstler sich immer wieder gern von den Impressionen der Natur küssen lassen – und damit von der Muse. Ich bringe gern eine Handvoll Beispiele, die sich auf mein eigenes Schaffen beziehen und die jeder Leser auf seine Person leicht zu projizieren vermag.

Spazieren gehen

Das Flanieren durch Feld und Wald, durch die Stadt und das Dorf bringt den wunderbaren Nebeneffekt mit sich, von Hunderten Eindrücken geradezu überfallen zu werden. Formulierungen, Aphorismen, Sinnbilder, ja ganze Satzkonstrukte und Sentenzen drängen sich bei einem Spaziergang förmlich auf, und man hat zeitweise fast das Problem, nicht alles sofort festhalten zu können, was einem gut und wichtig erscheint. Unterwegs, frei von den einzwängenden Beschränkungen innerhalb der eigenen vier Wände und der altbekannten Umgebung, die stets nur dasselbe Bild zu vermitteln imstande sind, schwebt der Geist, der Kopf ist freier, die Fantasie kann in den Äther steigen wie ein Drachen im Herbstwind. So ist beispielsweise mein Mikro-Roman „Kopftornado“ (erschienen in zwei Teilen im „Literaturboten“ des Hessischen Literaturforums Frankfurt, Ausgaben 84 und 85; demnächst als Buch im Pop-Verlag Ludwigsburg) das alleinige Erzeugnis dreier Spaziergänge. Das gesamte Stück ist an der frischen Luft entstanden. Dabei empfiehlt es sich immer, einen Notizblock bei sich zu tragen – oder besser: ein Diktiergerät. Dieses bietet den immensen Vorteil, nicht alle zwei Meter anhalten und durch die Arbeit des Aufschreibens, temporär greifbare und schwer zu reproduzierende Ideen verlieren zu müssen. Man spricht seine Gedanken einfach ins Mikrofon und kann auf diese Weise unentwegt weitere Inspirationen fließen lassen und aufzeichnen. Der „Kopftornado“ ist das Ergebnis der Auswertung von etwa vier Stunden Tonmaterial, wobei neben meinen gesprochenen Memos ebenso Klänge der Umwelt miteingeflossen sind: Stimmen fremder Menschen, Naturgeräusche, die eigenen Schritte usw.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 4/2007.

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