Ausgaben 2005

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TextArt 01/2005

Leseprobe:

Zahlen fürs Veröffentlicht-Werden?

Interview mit dem Zuschussverleger Johann-Friedrich Huffmann

Von Oliver Buslau

„Verlag sucht Autoren": Das hört man gern; vor allem, wenn man mit einem Manuskript schon viele Male abgelehnt wurde. Der griffige Satz ist der Slogan des Berliner Verlages „Frieling & Huffmann" – ein Haus, vor dem Autorenverbände warnen. Denn: Es handelt sich um einen Zuschussverlag. Der Autor und nicht der Verlag zahlt hier für die Veröffentlichung eines Werkes. In den Medien sind die Zuschussverlage immer wieder in der Zielscheibe der Kritik, doch Interviews mit den Verlegern selbst sind selten. TextArt-Chefredakteur Oliver Buslau besuchte Dr. Johann-Friedrich Huffmann (50), seit einigen Jahren Inhaber von Frieling & Huffmann.

TextArt: Druckkostenzuschussverlage sind als Bösewichter der Branche im Gespräch. Man hört von unzufriedenen Autoren, die in Presseberichten zu Wort kommen, man liest Verlautbarungen von Autorenverbänden, die vor solchen Verlagen warnen. Warum muss ich, wenn ich bei Ihnen veröffentlicht werden will, eigentlich Geld bezahlen?

Johann-Friedrich Huffmann: Ich bin mit dem Begriff Druckkostenzuschussverlag nicht ganz glücklich. Er bezieht sich nur auf die Themen Kosten und Druck, und das ist es schon. Er drückt nicht aus, was das Bild insgesamt ausmacht. Ich würde ganz andersherum vorgehen. Ich nenne meinen Verlag daher nicht Druckkostenzuschussverlag, sondern Privatverlag.

TextArt: Warum?

Johann-Friedrich Huffmann: Ich positioniere den Privatverlag ganz bewusst gegenüber einem Programmverlag. Ein Programmverlag ist ein Verlag, der ein Programm erstellt und vermarktet. Das können Kriminalromane sein, das kann Fachliteratur sein, Belletristik oder Sachbücher. Es gibt Kriterien, die ein solches Programm profilieren, und ein solcher Verlag nimmt nur Titel, die dort hineinpassen, und die er im Rahmen dieses Programms vermarkten kann. Wir dagegen sagen, dass wir uns als Privatverlag nicht an Programmen orientieren, sondern an Autorinnen und Autoren, die zu uns kommen. Das heißt, wir folgen den Autoren in ihrem Thema, in der Art der Gestaltung. Wir fragen sie, wie sie ihr Buch haben wollen. Wir beraten sie, und wir helfen ihnen. Das ist eine andere Herangehensweise. Und das heißt: Für die erste Auflage beziehen wir die Autoren in das Risiko durch eine teilweise Kostenübernahme mit ein.

TextArt: Die Kostenübernahme von was?

Johann-Friedrich Huffmann: Wir bieten eine Dienstleistung an, wie sie ein Programmverlag als Leistung ja auch erbringt. Wir lektorieren, wir beraten in der Manuskript-Phase, wir produzieren, wir machen aber auch Pressearbeit und Vertrieb. Wir organisieren Lesungen, wir sind auf Messen präsent – wir bieten also das gesamte Spektrum. Und dieses Spektrum sehen wir uns für das betreffende Buch an und sprechen dann mit dem Autor darüber, welche Leistungen er möchte. Daraus ergibt sich dann im Verbund mit der Einschätzung der Verkaufbarkeit, wie die Risikoteilung aussehen sollte, und die schlägt sich in einem Betrag nieder.

TextArt: Das klingt, als wäre Ihr Verlag vor allem für Hobbyautoren da. Viele träumen aber doch davon, professionelle Autoren zu werden und einen Bestseller zu schreiben. Werden Sie einem solchen Autor, wenn er zu Ihnen kommt, von der Zusammenarbeit abraten?

Johann-Friedrich Huffmann: Ja, das werde ich. Die meisten Autoren haben mehrere Motivationen. Viele möchten ein Werk einfach beenden, sie möchten es ihrer Umgebung vorstellen, einem lokalen, regionalen, vielleicht auch einem bundesweiten Publikum. Wenn aber einer sagt, er schreibt das Buch nur, weil er einen Bestseller landen will, oder hauptsächlich deshalb, dann werde ich ihm sagen, dass wir dafür weniger prädestiniert sind, und ich werde ihn wegschicken.

TextArt: Wenn ich ein Buch schreibe, und ein Programmverlag verlegt es, und er ist selbst für die Vermarktung zuständig, weil er ja selbst Gewinn machen will, dann kann ich mich darauf verlassen, dass er alle für ihn gangbaren Wege nutzt, um Gewinn zu machen. Sie aber haben ja dabei ein geringeres Interesse, weil Sie ja schon über den Autor Gewinn erwirtschaftet haben. Wie kann ich als Autor Ihre Arbeit nach der Veröffentlichung überhaupt kontrollieren?

Johann-Friedrich Huffmann: Da gibt es nie eine hundertprozentige Transparenz, das ist klar. Wir können aber Maßnahmen mit den Autoren ganz konkret besprechen, und der Autor sieht ja als Erster, ob die auch umgesetzt werden. Wenn wir etwas an Multiplikatoren schicken, wenn wir eine Anzeige schalten, wenn wir Redaktionen anschreiben, dann kann man das ja belegen, so dass er sieht, dass da etwas passiert. Damit ist natürlich noch nicht der Erfolg garantiert, aber das kann kein Verlag, auch kein Programmverlag. Wir können außerdem in der Regel eine ganze Menge an Presseartikeln oder an Rezensionen nachweisen, die Autoren bekommen diese Nachweise natürlich. Es gehört aber auch Vertrauen dazu. 30 Prozent unserer Autoren machen mehrere Bücher bei uns. Das zeigt doch, dass wir ihren Zielen dienlich sind.

TextArt: Viele Bücher bei Ihnen sind autobiografisch oder zumindest autobiografisch motiviert. Solche Texte werden von den Programmverlagen abgelehnt, weil sie einerseits zu eng an eine bestimmte Person und deren Erlebnisse angelehnt sind, aber auf der anderen Seite auch nicht so originell, dass man damit ein großes Publikum erreichen könnte. Schreiben Ihre Autoren nicht unter Umständen am Leser vorbei und wissen es vielleicht gar nicht?

Johann-Friedrich Huffmann: Sicher – ein solcher Autor schreibt häufig aus seiner Sicht und hat die Leser nicht primär im Blick. Wir machen aber immer wieder die Erfahrung, dass gerade Titel, die authentisch und persönlich geprägt sind, ein Publikum finden. Es ist möglicherweise ein anderes Publikum und vielleicht auch ein kleineres Publikum.

TextArt: Fred Breinersdorfer, der Vorsitzende des Verbandes deutscher Schriftsteller, wird mit der Aussage zitiert, dass es einer seriösen Autorenkarriere hinderlich sei, wenn man mit Büchern in einem so genannten Zuschussverlag beginnt. Man liest auch immer wieder, dass es viele Buchhändler ablehnen, Bücher aus diesen Verlagen in ihre Buchhandlungen zu stellen. Wenn es doch ein gewisses Interesse gibt, wie Sie sagen, wie kommt es denn dann Ihrer Meinung nach zu solchen Aussagen?

Johann-Friedrich Huffmann: Mit der generellen, pauschalen Aussage, dass die Veröffentlichung in einem Nicht-Programmverlag nicht besonders förderlich ist, wird ein Qualitätskriterium aufgestellt, dem ich so nicht folgen kann. Ist ein Bohlen, nur weil er in einen „normalen" Verlag aufgenommen worden ist, qualitativ gut? Dasselbe gilt für Effenberg und andere. Wir haben eine ganze Reihe von Büchern, die von persönlichen Erfahrungen berichten – von überwundenen Krankheiten oder anderen schwierigen Situationen. Es gibt ein großes Publikum von Leuten, die in ähnlicher Weise betroffen sind, und die sagen, hier ist endlich mal einer, der uns versteht. Ist das nun qualitativ gut oder schlecht? Sollte die Aufnahme in einen Privatverlag wirklich hinderlich dafür sein, dass dessen Bücher beachtet werden?

TextArt: Es ist ja auch so, dass einige Autorenvereinigungen diese Autoren nicht aufnehmen, zum Beispiel das „Syndikat", die Vereinigung der deutschsprachigen Krimiautoren. Außerdem werden solche Bücher zu manchen Wettbewerben nicht zugelassen ...

Johann-Friedrich Huffmann: Diese Situation gibt es. Auch bei den Buchhändlern. Es ist aber doch so, und ich meine das jetzt auch mit Blick auf Ihre Leser: Sie haben etwas geschrieben. Sie möchten etwas sagen. Sie möchten vom Publikum gehört werden. Sie haben es bei einigen Programmverlagen probiert, und ich würde ihnen empfehlen, es bei den Programmverlagen zu probieren, nicht immer nur bei den großen, sondern auch bei den kleineren, spezifischen. Auch die vielen anderen Möglichkeiten zur Beratung, über Bücher oder Kurse oder Schreibzirkel sollte man ausschöpfen. Wenn es dann aber nicht gelingt, hat man im Grunde nur zwei Möglichkeiten: Einerseits kann man alles selbst machen – in einem Selbstverlag oder über einen Digitaldrucker; da gibt es eine ganze Reihe von Anbietern. Andererseits kann man sich auch stärker helfen lassen von einem Verlag wie zum Beispiel unserem Privatverlag. Die meisten Autoren, die bei uns sind, haben nicht das Motiv, Berufsschriftsteller zu werden. – Übrigens auch die wenigsten Autoren in Programmverlagen können vom Schreiben leben – aber das Schreiben ist ein wichtiges Moment in ihrem Leben. Manche leben dafür! Herr Breinersdorfer hat mit seinem Zitat sicher die absolut professionelle Karriere gemeint, wobei man aber mehr differenzieren muss. Wir haben eine ganze Reihe von Journalisten, die bei uns veröffentlichen. Das sind professionelle Schreiber auf einem anderen Gebiet, nicht aber unbedingt professionelle Buchautoren. Wir haben aber auch Lehrer und Professoren – Leute, die viele Fachwerke veröffentlicht haben und dann entscheiden: Meinen Lyrikband, meine Erinnerungen oder meine Privatforschungen bringe ich in einem Privatverlag unter.

TextArt: Sie haben ja zwei Kunden: den Buchhändler und den Buchkäufer auf der einen Seite, und im Gegensatz zu den Programmverlagen auf der anderen die Autoren. Mit welcher Gruppe machen Sie denn den meisten Umsatz?

Johann-Friedrich Huffmann: Das ist von Buch zu Buch unterschiedlich. Für mich ist der wichtigere Kunde aber der Autor. Ich profiliere Autoren, deswegen stehen sie für mich im Vordergrund. Dass ich sie natürlich nur ordentlich profilieren kann, wenn ich ihre Bücher auch verkaufe, ist keine Frage, denn sonst werden sie nicht gehört und sind nicht zufrieden. Insofern hängt beides zusammen.

TextArt: Nehmen wir an, ich habe ein Buch geschrieben. 300 Manuskriptseiten. Thema: eine Geschichte über meine Kindheit am Mittelrhein. Alle, wie Sie sagen, Programmverlage haben mich abgelehnt, und nun komme ich zu Ihnen. Was passiert?

Johann-Friedrich Huffmann: Wenn wir ein solches Manuskript im Haus haben, wird es gelesen und begutachtet.

TextArt: Von wem?

Johann-Friedrich Huffmann: Von Lektoren, intern oder extern. Wir haben Angestellte und freie Mitarbeiter.

TextArt: Wie schlecht muss denn das Buch sein, damit Sie es ablehnen? Wo ist denn da Ihre Grenze?

Johann-Friedrich Huffmann: Wir lesen es aus zwei Gründen. Der erste ist, um dem Autor eine Rückmeldung geben zu können, wie wir sein Manuskript einschätzen, denn das ist ja für die Autoren ganz wichtig. Zweitens müssen wir natürlich beurteilen können, ob wir das Manuskript aufnehmen. Dafür muss das Buch sowohl inhaltlich als auch stilistisch in Ordnung sein.

TextArt: Würden Sie auch zur Dramaturgie, zur Geschichte selbst Verbesserungsvorschläge machen?

Johann-Friedrich Huffmann: Auf solche Fragen würden wir erst dann eingehen, wenn sich herausstellt, dass der Autor wirklich bei uns verlegen will. Wir würden ihm eine erste Rückmeldung geben und ihn darauf hinweisen, dass hier und da noch etwas gemacht werden müsste. Das wäre aber zuerst noch sehr allgemein.

TextArt: Was würde mich das jetzt kosten?

Johann-Friedrich Huffmann: Es kommen viele Kriterien zusammen: die Ausstattung, der Umfang, die Form, in der das Manuskript kommt. Üblicherweise lassen wir es setzen, aber es gibt auch die Möglichkeit, dass der Autor uns eine Druckvorlage liefert.

TextArt: Aber eine Größenordnung können Sie doch sagen?

Johann-Friedrich Huffmann: Ich würde mal sagen, wenn es gesetzt werden muss und die normale Breite der Dienstleistung erbracht werden soll, wird es etwa bei 4.000 Euro losgehen, und üblicherweise reicht das bis 10.000. Es gibt natürlich größere Werke, die aufwändiger und teurer sind.

TextArt: 10.000 Euro ist dann die ganze Sache mit Öffentlichkeitsarbeit und allem?

Johann-Friedrich Huffmann: Die ist in jedem Fall dabei, in einem umfassenden Basispaket. Das heißt: Der Buchhandel wird informiert, das Buch kommt ins Internet, es kommt in den Katalog, das Buch wird auf Messen präsentiert, es besteht die Möglichkeit, an Lesungen an verschiedenen Orten teilzunehmen, es werden Multiplikatoren informiert und so weiter. Wir haben das ordentlich aufgelistet. Transparenz ist uns sehr wichtig.

TextArt: Wo ist denn genau der Unterschied zwischen 4.000 und 10.000? Geht es darum, wie weit das Manuskript bearbeitet werden muss?

Johann-Friedrich Huffmann: Es ist primär die Ausstattung: Hardcover oder nicht, Umfang, Papierqualität, Abbildungen und so weiter.

TextArt: Wer gestaltet denn das Cover?

Johann-Friedrich Huffmann: Unsere Grafiker. Wenn der Autor eine feste Vorstellung hat, wird diese einbezogen. Der Autor muss letztlich sagen, ob er das Cover so möchte.

TextArt: Also der Unterschied, ob das jetzt 4.000 oder 10.000 Euro kostet, hängt eher mit dem Buch selbst zusammen als mit dem, was Sie dann mit dem Buch tun?

Johann-Friedrich Huffmann: Genau.

TextArt: Haben Sie pro Buch einen festgelegten Etat, etwa für Anzeigenwerbung?

Johann-Friedrich Huffmann: Anzeigen für Bücher in Zeitschriften sind üblicherweise nicht mit im Paket enthalten. Sie kennen die Anzeigenpreise, da kommen wir mit 4.000 Euro nicht weit. Wir machen gelegentlich Sammelanzeigen, oder wenn wir ein Thema zusätzlich pushen wollen, machen wir das im Einzelfall. Aber normalerweise ist das nicht mit drin.

TextArt: Es gibt aber doch einen Etat für so ein Projekt?

Johann-Friedrich Huffmann: Sie können nicht in Prozent umgerechnet jedes Buch gleich behandeln, sondern müssen abschätzen, wie Sie einen Erfolg erreichen, und dazu muss man bei einem Buch vielleicht mehr tun, bei einem anderen geht es eventuell leichter. Die Freiheit nehmen wir uns.

TextArt: Haben Sie Verlagsvertreter?

Johann-Friedrich Huffmann: Nein. Das hängt wieder mit dem Unterschied Privatverlag – Programmverlag zusammen. Ein Vertreter, der einem Buchhändler einzelne Titel aus ganz unterschiedlichen Bereichen anbieten muss, hätte es sehr schwer, dies zu tun, und das ist unwirtschaftlich. Unser Weg ist also nicht, in den Markt hineinzudrücken, sondern über die Pressearbeit hineinzuziehen.

TextArt: Nehmen wir an, ich konnte mit meinem Buch bei Ihnen landen, und wir haben uns darauf geeinigt, dass ich 4000 Euro bezahle, weil ich Ihnen mit der Druckvorlage entgegenkomme oder mit einer ganz einfachen Ausstattung zufrieden bin. Wie hoch wäre denn da die Auflage?

Johann-Friedrich Huffmann: Das ist unterschiedlich.

TextArt: Hat das mit den 4.000 Euro nichts zu tun?

Johann-Friedrich Huffmann: Doch, aber da wird es jetzt sehr komplex. Wir gehen eher so herum vor, dass wir etwa bei Lyrik in der Regel mit 500er Auflagen beginnen und ansonsten von 1000er oder 2000er Auflagen ausgehen. Je nach Ausstattung kann das, wenn eine höhere Auflage gewünscht wird, dann teurer sein. Das muss man immer im Gesamtpaket sehen. Wir vereinbaren auch zu Anfang keine zu hohen Auflagen, weil wir erreichen wollen, dass der Autor in die zweite Auflage kommt, da er dann nämlich Honorar kriegt. Die Erstauflage wird aber festgelegt, und sie steht im Vertrag.

TextArt: Wie viele Titel haben Sie eigentlich im Angebot?

Johann-Friedrich Huffmann: Aktuell etwa 1.000.

TextArt: Wenn ich jetzt davon ausgehe, dass Sie durchschnittlich eine Auflage von 1.000 haben, haben Sie eine Millionen Bücher auf Lager ...

Johann-Friedrich Huffmann: Das Lager ist in der Nähe von Niebüll an der dänischen Grenze.

TextArt: Der Autor kann also auch da hinfahren und sich die Auflage anschauen?

Johann-Friedrich Huffmann: Selbstverständlich.

TextArt: Sie wissen aber, warum ich frage? Man konnte ja lesen, dass Kunden von Zuschussverlagen die Erfahrung gemacht haben, dass es die vereinbarte Auflage so gar nicht gibt, oder dass im Vertrag ein winziger Passus steht, der dem Verlag das Recht gibt, die Auflage geringer zu halten, wenn das Buch keine guten Verkaufschancen hat.

Johann-Friedrich Huffmann: Bei höheren Auflagen drucken wir manchmal nur die erste Bindequote, aber wir sind natürlich trotzdem verpflichtet, nachzudrucken bei Bedarf, da es vereinbart ist. Die 1000.er Auflagen legen wir immer hin. Drunter gehen wir nicht. Außer, es ist vereinbart.

TextArt: Was ist, wenn sich so eine Gesamtauflage nach, sagen wir mal, fünf Jahren nicht verkauft hat? Konkret: Von den 3.000 Büchern über meine Kindheit am Mittelrhein sind wir leider nur 800 Bücher losgeworden. Was passiert dann? Wer kriegt die? Werden die verramscht?

Johann-Friedrich Huffmann: Wir haben folgende Regelung im Vertrag: Wenn sich ein Buch über Jahre hinweg unter einem bestimmten Satz verkauft, besteht die Möglichkeit, es zu verramschen. Es ist aber vertraglich geregelt, dass die Bücher dem Autor für einen Ramschpreis vorher angeboten werden, zu einem Minimalpreis, der nur die Kosten des Zuschickens und Aussortierens deckt.

TextArt: Nehmen wir an, meine Geschichte vom Mittelrhein hätte als Neupreis 11 Euro gekostet. Wie hoch wäre der Preis, wenn ich die zurückhaben wollte?

Johann-Friedrich Huffmann: Wenn es tatsächlich darum geht, dass die Bücher sonst verramscht würden, liegt der Preis unter einem Euro.

TextArt: Sie haben vorhin erwähnt, dass der Autor ab der zweiten Auflage Honorar bekommt ...

Johann-Friedrich Huffmann: 20 Prozent vom Ladenpreis. Und wir produzieren dann natürlich auf unsere Kosten.

TextArt: Ohne die Kostenbeteiligung an der ersten Auflage wäre das viel.

Johann-Friedrich Huffmann: Genau. Wir produzieren auf unsere Kosten, und der Autor bekommt 20 Prozent. Der Anteil ist bewusst hoch, weil wir sagen, wenn der Autor bei der ersten Auflage am Risiko beteiligt wird, muss seine Chance, ab der zweiten Auflage etwas zurückzubekommen, steigen.

TextArt: Was passiert mit den Rechten? Wenn ein Buch verramscht worden ist und es ist nicht zu einer zweiten Auflage gekommen? Wer hat dann die Rechte?

Johann-Friedrich Huffmann: Das ist wie bei jedem anderen Verlag. Die Rechte fallen an den Autor zurück, und der Autor ist dann frei, mit dem Buch zu einem anderen Verlag zu gehen.

TextArt: Nehmen wir an, meine Kindheit am Mittelrhein verkauft sich überraschend gut. Die erste Auflage ist praktisch verkauft, und nun bekommt der Autor ein Angebot von einem anderen Verlag und will mit dem Titel von Ihnen weg. In anderen Verlagen käme er dann nicht so einfach aus dem Vertrag raus.

Johann-Friedrich Huffmann: Ich habe den Fall so noch nicht gehabt. Wenn jemand aber einen Programmverlag findet, dann würde ich persönlich ihm keine Steine in den Weg legen. Da verstehe ich mich als Sprungbrett, und wenn er die Chance hat, muss er sie auch nutzen können.

TextArt: Zum Abschluss würde ich gerne noch etwas über Ihren Verlag wissen.

Johann-Friedrich Huffmann: Wilhelm Ruprecht Frieling hat den Verlag 1983 als GmbH gegründet. Er war schon vorher aktiv, aber die GmbH besteht seit 1983. Herr Frieling hat ihn aufgebaut und bis Ende 2002 geleitet. Er ist dann aus persönlichen Gründen ausgestiegen, und ich habe den Verlag gekauft.

TextArt: Wie ist Ihr persönlicher Hintergrund?

Johann-Friedrich Huffmann: Ich war vorher angestellter Geschäftsführer in einem Fachverlag. Der Kauf des Frieling-Verlags war für mich die Möglichkeit, mich selbstständig zu machen. Was mich neben der Möglichkeit, etwas Eigenes zu machen, gereizt hat, war in der Tat, mit Menschen zu tun zu haben, denen es wichtig ist, zu veröffentlichen, und denen die Chance dazu zu eröffnen.

TextArt: Wie kommt es eigentlich, dass Ihr Logo so deutlich der Ullstein-Eule ähnlich sieht?

Johann-Friedrich Huffmann: Das kommt daher, dass in der Familie Frieling diese Eule schon seit Generationen vorhanden ist, und sie ist älter als die Eule von Ullstein. Es hat mal kurz eine rechtliche Auseinandersetzung gegeben, aber das ist schon ein paar Jahre her. Aber die Sache ruht. Und wir sind mit diesem Zeichen und unserem Slogan „Verlag sucht Autoren" auch permanent auf dem Markt.

TextArt: Wäre es eigentlich nicht besser, Ihre verlegerischen Ambitionen in einen klassischen Verlag einzubringen? Der Erfolg wäre ja viel größer, wenn es funktionieren würde.

Johann-Friedrich Huffmann: Aber es kann nur für viel weniger Leute funktionieren. Man muss ganz realistisch sehen, dass über die Leser allein nur eine gewisse Anzahl von Büchern zu finanzieren ist. Das gilt nicht nur für literarische Werke, sondern auch für Sachbücher.

TextArt: 4.000 Euro muss man sich aber erst einmal leisten können. Ich sehe bei Ihnen im Katalog auch Genre-Literatur, einen München-Krimi. Für einen ordentlichen Regionalkrimi finden Sie heutzutage sofort einen normalen Verlag ...

Johann-Friedrich Huffmann: Vielleicht muss ich noch deutlicher sagen, was wir tun: Sie kennen die Begriffe „Breitensport" und „Profisport". Was wir und unsere Autoren machen, gehört in die Abteilung Breitensport. Es gibt viele Leute, die etwas in der Schublade haben, die auch zum Beispiel in Leserkreisen und kulturellen Institutionen aktiv sind. Das ist einfach ein kulturelles Miteinander, das für sie persönlich, aber auch gesellschaftlich sehr wichtig ist. Meiner Meinung nach sollte man daraus auch die Bewertungskriterien ziehen, wenn man der Sache gerecht werden will.

TextArt: Haben Sie selbst Bücher geschrieben?

Johann-Friedrich Huffmann: Ja, allerdings Fachbücher, juristische Bücher. Ich war einer der Ersten, der über nicht-eheliche Lebensgemeinschaften aus rechtlicher Sicht geschrieben hat. Ich habe Ratgeber geschrieben und Ähnliches mehr. Fiktion in diesem Sinne nicht.

TextArt: Würden Sie das nicht auch gerne machen?

Johann-Friedrich Huffmann: Es reift in mir. Ich bin schon mittendrin, und es fühlt sich gut an. Es sind Szenen, Teile, Fragmente, um die Art der Sprache auszuloten und verschiedene Themen auszuprobieren.

TextArt: Wird es veröffentlicht – und wenn ja, wo?

Johann-Friedrich Huffmann: Das entsteht vielleicht einmal, und dann muss man sehen, wo es am besten aufgehoben ist. Genauso würde ich es auch jedem Autor empfehlen.

TextArt: Vielen Dank für das Gespräch!

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 1/2005.

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